Stein

Der Berg, der die leere Burg trägt bildet einen fast senkrechten Abhang und formt so den Eingang der Schlucht, in der der Bach die Mühle antreibt. Infolge eines Spiels der Natur ist der Felsen zu einem Türkenkopf von einer Ähnlichkeit modelliert, die allen Bewohnern der Gegend aufgefallen ist. Darunter schmiegt sich der Schuppen des Müllers an die Bergwand. Am Schloss der Tür des Schuppens hängt ein Bockshorn, das die Wagenschmiere enthält. Gleich daneben lehnt ein Besen.


Obwohl das völlig natürlich und üblich ist, frage ich mich, welcher Teufel diese Hexen-Insignien , den Bockskopf und den Besen gerade dort placiert hat, und ausgerechnet an diesem Morgen auf meinem Weg. Ich gehe auf dem feuchten und dunklen Weg voller Unbehagen weiter; ein Gebäude aus Holz von ungewöhnlichem Aussehen lässt mich stehenbleiben. Es ist eine lange und niedrige Kiste mit sechs Ofenluken. Großer Gott wo bin ich denn? Das Bild von Dantes Hölle, die Särge mit den rotglühenden Sündern verfolgt mich ----- und die sechs Ofenluken! Ein Alptraum? Nein die anspruchslose Wirklichkeit, die sich durch einen schauerlichen Gestank enthüllt, eine Flut von Schlamm und einen Chor aus Grunzlauten, der aus dem Schweinestall nach draußen dringt. Der Weg wird schmäler, zwischen dem Haus des Müllers und dem Berg zu einem schmalen Gange eingeschlossen, und zwar genau unter dem Türkenkopf. Ich gehe weiter, entdecke im Hintergrund aber eine riesige Dänische Dogge, deren Fell die Farbe eines Wolfs hat, ein Abbild des Untiers, welches das Atelier in der Rue de la Sante in Paris bewachte. Ich weiche zwei Schritte zurück, doch als ich mich an den Wahlspruch von Jacques Coeur erinnere „Tapferen Herzen ist nichts unmöglich" dringe ich in den Abgrund ein. Der Cerberus tut so, als sehe er mich nicht und ich setze die Wanderung jetzt zwischen zwei Reihen niedriger dunkler Häuser fort.


Ein schwarzer Hund ohne Schwanz mit einem Hahnenkamm; eine Frau, die auf den ersten Blick schön zu sein scheint und auf der Stirn mit einem blutroten Halbmond gezeichnet ist; bei näheren Hinsehen ist sie zahnlos und hässlich. Der Wasserfall und die Mühle, das Rauschen ähnelt dem Ohrensausen, das mich seit den ersten beunruhigenden Ereignissen in Paris verfolgt. Die Müllergesellen, weiß wie falsche Engel bedienen das Räderwerk der Mühle wie Scharfrichter und das Mühlenrad erledigt seine Sisyphus-Arbeit, in dem es das Wasser unaufhörlich hinunterfließen lässt. Dann die Schmiede mit den nackten und nackten Schmieden, bewaffnet mit Feuerzangen, Haken, Klemmen, Schmiedehämmern inmitten von Feuer, Funken, glühendem Eisen und geschmolzenem Blei; ein Lärm, der das Gehirn auf seiner Unterlage erschüttert und das Herz im Brustkorb zum Hüpfen bringt. Dann das Sägewerk und die große Säge, die mit den Zähnen knirscht, als sie die riesigen Baumstämme auf der Folterbank quält während das durchsichtige Blut auf den schlüpfrigen Erdboden fließt.


Der Hohlweg führt am Bach weiter, von dem Wolkenbruch und dem Zyklon verwüstet; die Überschwemmung hat eine Schicht aus graugrünem Schlamm hinterlassen, der die spitzen Kieselsteine bedeckt. Ich möchte den Wasserlauf überqueren, doch der Steg ist weggespült und ich bleibe unter einem Felsvorsprung stehen, dessen Überhang auf ein Madonnenbild zu stürzen droht. welches den unterspülten Berg allein auf seinen schwachen und göttlichen Schultern trägt. Ich kehre auf demselben Weg zurück, in Gedanken über diese Kombination von Zufällen versunken, die insgesamt ein großes Ganzes bilden, das wundersam ist, ohne übernatürlich zu sein.