Geschichte

Geschichte der Marktgemeinde Klam

Frühgeschichte und Antike

Archäologische Einzelfunde, insbesondere eine Bronzeaxt (Bronzezeit 1800 – 750 v. Chr.), im Gebiet von Klam sind als Hinweise auf menschliche Anwesenheit zu werten, erlauben jedoch keine Aussagen über eine kontinuierliche Besiedlung. Es ist davon auszugehen, dass es sich um punktuelle Aufenthalte oder lose Siedlungsformen handelte.

Vom 1. bis zum 5. Jahrhundert lag das Gebiet nördlich der Donau außerhalb des römischen Herrschaftsbereiches. Dennoch ist von wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten mit den südlich gelegenen Provinzen auszugehen, schließlich war mit Lauriacum (heute Enns) ein Legionslager nahe Klam. Ein direkter Einfluss römischer Verwaltungs- oder Siedlungsstrukturen ist jedoch nicht nachweisbar.

Mittelalter

In den 480er Jahren zogen die römischen Legionen ab und der Hl. Severin wirkte an den Ufern der Donau, als verschiedene Volksgruppen in die Region einwanderten. Falls auf dem Gebiet von Klam zu dieser Zeit eine dauerhafte Siedlung bestanden hat, dann waren die nächsten Jahrhunderte eine Bewährungsprobe für diese frühen Klamerinnen und Klamer, die wohl buntgemischt waren, was ihre Herkunft anging (bayerisch, slawisch, etc.). Aus der eurasischen Steppe stießen um 800 die Awaren nach Westen vor und um 900 folgten die Ungarn. Zwar wurden erstere von Kaiser Karl dem Großen und zweitere von Kaiser Otto dem Großen wieder in das Gebiet des heutigen Ungarn zurückgedrängt, doch haben diese gewalttätigen Auseinandersetzungen zu erheblichen Störungen in der Siedlungsentwicklung geführt. Es entstanden menschenleere Grenzzonen, die erst im 10. und 11. Jahrhundert von Baiern aus neubesiedelt wurden. Dieses Siedlungsgebiet war die Marcha Austriae des Herzogtums Baiern, die deren Bewohnerinnen und Bewohner Ostarrichi nannten (996 wird das Gebiet um Neuhofen an der Ybbs in einer Kaiserurkunde erstmals so bezeichent: https://www.regesta-imperii.de/id/0996-11-01_1_0_2_3_0_763_1212). 

Eine Karte des deutschen Reiches

Karte der Awarenfeldzüge aus Manfred Scheuch, Österreichs Schicksal im Kartenbild Der AZ-Geschichtsatlas (Wien 1982)

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Im Zuge der Neubesiedlung von Baiern aus wurden auch Burgen errichtet und im Jahr 1142 wurde die Burg Clam indirekt erstmals urkundlich erwähnt, und zwar durch die Nennung eines „Walchunus de Clamme“. Die Burg explizit selbst taucht erstmals als „duo castra Chlamme“ um 1150 in einer Traditionsnotiz des Bistums Passau auf:

(https://archive.org/details/urkundenbuchdes00frangoog/page/478/mode/2up)

Walchun von Clam war der Bruder des Otto von Machland, dem Stifter der Klöster Baumgartenberg (1142) und Waldhausen (1147). Walchun hatte keinen männlichen Erben, daher folgte ihm seine Tochter Adelheid nach, die 1161 in die Familie der Velburger einheiratete. Doch die Herrschaft der Clam-Velburg war nicht von langer Dauer, da bereits 1217 Ulrich Clam-Velburg auf dem Kreuzzug von Damiette (Stadt in Ägypten) fiel. Die Burg Clam wurde daher in den nächsten Jahrhunderten als Lehen vom jeweiligen Landesfürsten an verschiedene Familien vergeben. Währenddessen wuchs eine Siedlung unterhalb der Burg heran. Schon 1209 ist etwa das Flacheneggergut urkundlich nachweisbar.

Eine Karte einer Stadt

Die Burg und Herrschaft Clam auf der Karte von Georg Matthaeus Vischer (1667)

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1365 wurde Klam erstmals ausdrücklich als Markt bezeichnet. Diese Bezeichnung weist auf eine bereits entwickelte Siedlungsstruktur mit wirtschaftlicher Bedeutung hin. Es ist davon auszugehen, dass regelmäßig Märkte abgehalten wurden und sich ein lokales Wirtschaftsleben etabliert hatte.

1384 verlieh Herzog Albrecht III. von Österreich Klam offiziell das Marktrecht. Dadurch wurden die wirtschaftlichen Rechte der Klamerinnen und Klamer formal bestätigt und die Stellung Klams innerhalb der regionalen Wirtschaftsstruktur wurde nachhaltig gestärkt.

1422 wurde der Markt Klam im Zuge der sogenannten Hussitenkriege sehr in Mittleidenschaft gezogen. Die Burg Clam kann den Hussiten zwar standhalten, aber die Zerstörungen im Markt führen wohl zu einem erheblichen Rückschlag in der Entwicklung des Ortes.

1491 wurde die gotische Burgkapelle der Burg Clam dem Heiligen Kreuz geweiht, wobei diese Kirche vor allem den Herren der Burg und ihren Familien als Andachtsort diente, die Klamerinnen und Klamer hingegen besuchten die Messe in der Pfarrkirche von Saxen. Eine Kirche in Saxen wird schon in einer Kaiserurkunde aus dem Jahr 823 erwähnt.

16. Jahrhundert

Am 24. April 1524 kaufte der aus Kärnten stammende Christoph Perger den Grafen von Hardegg die Burg Clam ab, und die lange Feudalherrschaft der Familie „Perger von und zu Clam“ über den Markt Klam (damals Klamm) begann.

Am 29. Juni 1531 wurde durch einen Blitzschlag ein verheerender Brand ausgelöst und nahezu der gesamte Markt wurde zerstört. Nur 10 Häuser überstanden das Inferno. Von dieser Katastrophe erholte sich der Markt Klam nur langsam und entging nur knapp seinem jähen Ende.

Von 1595 bis 1597 kam es in Oberösterreich zu einem Bauernaufstand. Die Bauern litten unter den hohen Abgaben, die sie an die Grundherren leisten mussten (im Falle von Klam war das die Familie Clam). Der Konflikt wurde am 23. April 1597 durch eine Resolution des Habsburger Kaisers Rudolf II. beruhigt. In den Reihen der bäuerlichen Abgeordneten, die sich nach Prag an den kaiserlichen Hof aufgemacht hatten, war auch ein Klamer, und zwar „Mathes Daner aus Achazberg“. Der Bauernaufstand war auch ein religiöser Konflikt zwischen den evangelischen Bauern und den katholischen Habsburgern. Ende des 16. Jahrhunderts war Oberösterreich fast zur Gänze evangelisch.

17. Jahrhundert

Im Zuge des Bruderzwists im Hause Habsburg, einem Streit zwischen Kaiser Rudolf II. und seinem Bruder Matthias, dem späteren Kaiser Matthias I., warb der Passauer Bischof Leopold V., auch ein Habsburger, Söldner an, die sogenannten Passauer Reiter. Aber der Bischof konnte die Truppen nicht bezahlen und so fielen diese marodierend und plündernd in Böhmen und Oberösterreich ein. 1611 erreichten die Passauer Reiter Klam. Die Burg konnten sie nicht einnehmen, doch der Markt war ihnen schutzlos ausgeliefert.

Von 1618–1648 wütete in Zentraleuropa der sogenannte Dreißigjährige Krieg, der nach heutigen Berechnungen gut die Hälfte der Landbevölkerung und ein Drittel der Stadtbevölkerung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation dahinraffte. Direkte Kampfhandlungen sind in Klam nicht belegt, aber die wirtschaftlichen Belastungen waren groß in diesen dreißig Jahren. Versorgungsprobleme und allgemeine Unsicherheit prägten den Alltag der Bevölkerung.

Die wirtschaftliche Not, hohe Abgaben an die Grundherren und die Spannungen zwischen evangelischen Bauern und katholischen Herrschern führten schließlich 1626 zum Oberösterreichischen Bauernkrieg. Im Zuge dieses Konfliktes drangen aufständische Bauern bis nach Klam vor. Johann Gottfried Perger, selbst evangelisch und Inhaber der Herrschaft Clam, lehnte das Angebot die Aufständischen anzuführen ab. Schließlich war er gezwungen, vor den Aufständischen zu kapitulieren, und ihnen die Tore der Burg Clam zu öffnen. Um den Abzug der aufständischen Bauern zu erreichen, ließ er ihnen Bier aushändigen, wodurch eine gewaltsame Eskalation in Klam verhindert wurde. Diese Konfliktresolution hat ihm aber nicht das Vertrauen des Kaisers eingebracht und so musste Johann Gottfried Perger 1627 auf kaiserliche Anordnung hin alle Waffen der Burg Clam abgegeben (Philipp Blittersdorf beschrieb dieses Ereignis basierend auf den Aufzeichnugen von Johann Gottfried Perger zu Clam in einem Beitrag in der Linzer Tagespost: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tpt&datum=19330912&seite=3&zoom=33

Im Jahr 1632 kam es zu einem weiteren Großbrand in Klam und große Teile des Marktes wurden zerstört. Der Wiederaufbau erfordert erhebliche Anstrengungen, zumal er in kriegerischen Zeiten geschehen musste. In den 1630er Jahren suchte auch die Pest Klam heim, wovon die im Jahr 1634 errichteten Pestsäulen bis heute Zeugnis ablegen.

Johann Gottfried Perger begann 1636 mit der Führung einer Marktchronik. Diese stellt eine bedeutende Quelle für die Ortsgeschichte dar und viele der nun folgenden Informationen sind dieser Handschrift entnommen. Die Marktchronik von Klam ermöglicht detaillierte Einblicke in die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse vergangener Zeiten. Heute wird der wertvolle Codex im oberösterreichischen Landesarchiv verwahrt: https://www.landesarchiv-ooe.at/fileadmin/user_upload/Dateien/Altverzeichnisse/Kommunalarchive/Klam_Kommunalarchiv.pdf

1641 wurde ein Rohrbrunnen errichtet, der Wasser vom Gauningholz hinunter in den Markt leitet, wodurch sich die Wasserversorgung der Klamerinnen und Klamer wesentlich verbesserte. 

Johann Gottfried Perger, der seit 1640 den Titel „Edler Herr zu Clam“ führen durfte, erreicht 1642 die Lösung der Burg Clam aus der Lehenschaft, womit sie volles Eigentum der Familie Clam wurde.

Der Markt Klam hat Johann Gottfried Perger viel zu verdanken, denn er ist nicht nur Restaurator seiner Familie und der Burg Clam, sondern er setzte auch viele wichtige Baumaßnahmen im Ort um. So wurde 1644 ein Wachterhaus (heute Klam Nr. 21) errichtet, um die Sicherheit und Ordnung im Markt zu erhöhen. Am 24. Juni 1646 stiftete er das St.-Anna-Spital (heute Raiffeisenbank). Es diente der Versorgung von Kranken und Bedürftigen. 1654 überließ Johann Gottfried den Marktbewohnern Land, um Krautäcker anzulegen, was die Versorgung des Marktes mit Lebensmitteln sicherer machte.

Eine Zeichnung einer Burg auf einem Hügel

Die Burg Clam im Jahr 1674 (Kupferstich von Georg Matthaeus Vischer)

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Seine eigene Karriere am habsburgischen Hofe gedeihte ebenfalls und 1655 wurde Johann Gottfried Perger in den Freiherrenstand erhoben. Im selben Jahr trat er auch zum katholischen Glauben über. Sein Bekenntnis zur katholischen Kirche lässt Johann Gottfried auch monumental darstellen, und zwar durch den Bau einer Kapelle im Markt. Wo heute die Pfarrkirche steht, war zuvor eine Kegelbahn und eine große Ulme, letztere wurde zum Bau der Kapelle verwendet. Der Bau der Kapelle begann am 4. August 1656 und fand mit der Weihe durch Abt Bernhard von Baumgartenberg am Dreikönigstag des Jahres 1664 seinen Abschluss. Am 8. August 1673 verstarb Johann Gottfried Perger Edler Herr von und zu Clam. Sein Einsatz für die Entwicklung des Marktes trug maßgeblich zu dessen Aufschwung in den folgenden Jahrhunderten bei. Die Marktchronik wurde von seinen Nachkommen leider nicht weitergeführt und erst die selbstständige Marktgemeinde führte ab 1852 die Chronik weiter. So entstanden Lücken in der Klamer Überlieferung, die durch andere Quellen nur behelfsmäßig ausgefüllt werden können.

18. Jahrhundert

Hierbei helfen die Dokumente der immer umfassender werdenden Bürokratie der Habsburgermonarchie. So veranlasste Kaiserin Maria Theresia um 1750 die Anlage eines Katasters, auch Theresianisches Gültbuch genannt, der alle Grundstücke in den Grundherrschaften in den österreichischen Erblanden auflistete (vgl. heutige Grundbücher), wozu auch das Land ob der Enns im Erzherzogtum Österreich gehörte. Die Kaiserin wollte dadurch die Steuerlast gleichmäßiger verteilen, da viele Grundherren die Steuern einfach auf ihre Untertanen abwälzten. Ihr Sohn, Kaiser Joseph I., setzte diese Initiative fort (Josephinischer Kataster, Oberösterreich wurde von 1775–1777 erfasst), aber erst unter den Kaisern Franz und Franz Joseph wurde das erste vollständige Liegenschaftsverzeichnis Österreichs angelegt (Franziszeischer Kataster 1810er–1870er). Heute stehen diese historischen Karten und ihre Informationen auf DORIS zur Verfügung (Urmappe = Franziszeischer Kataster): https://tinyurl.com/DORIS-Klam

Eine Karte einer Stadt

Klam im Franziszeischen Kataster

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1746 wurde eine Statue des Brückenheiligen Johannes Nepomuk am Ortseingang errichtet. Zuvor stand dort das sogenannte „Kreuz am Anger“. Die Marktchronik berichtet, dass Handwerker aus Klam dieses Kreuz errichtet und später renoviert haben. Das handwerkliche Geschick der Klamerinnen und Klamer wurde zu dieser Zeit aber leider auch aus traurigen Gründen besonders wichtig. Ein verheerender Brand zerstörte im Jahr 1760 nahezu den gesamten Markt. Nur zwei Häuser blieben erhalten. Auch die Kirche musste neugebaut werden. Die heute noch bestehende Kirche wurde 1767 vollendet und 1784 wird sie zur Pfarrkirche der neuerrichten Pfarre Klam. Von nun an konnten die Klamerinnen und Klamer die Messe regulär in ihrer eigenen Kirche besuchen.

Im Zuge der Modernisierung der Verwaltung der Monarchie wurden auch Hausnummern eingeführt. Ursprünglich dienten diese vor allem dem Militär zum Einzug von Rekruten (Konskriptionsnummern). Die Häuser des Marktes Klam wurde 1771 mit Hausnummern ausgestattet.

19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts hielt die Schulbildung in Klam Einzug und 1820 wurde im Pfarrhof eine Lehrerwohnung eingerichtet, sodass der Unterricht regelmäßiger abgehalten werden konnte. Als Schule diente ein Stockwerk des Pfarrhofes.

Eine große und bedeutende Veränderung brachte das Jahr 1848 für die Bewohnerinnen und Bewohner des Marktes Klam sowie für die Bauernfamilien der umliegenden Höfe, und zwar die Abschaffung der Grundherrschaft in der Habsburgermonarchie. Seit mehr als 700 Jahren hatten die Klamerinnen und Klamer Abgaben an die Herren der Burg Clam geliefert (seit 1524 die Familie Clam, seit 1792 durch Hochzeit Clam Martinic), da sie deren Grund und Boden bewirtschafteten. Mit der Aufhebung der Grundherrschaft endete diese Untertänigkeit gegenüber der Herrschaft und die Bauern konnten den Grund erwerben, den sie bewirtschaften. 1852 wurden die Ortschaften der ehemaligen Grundherrschaft Clam schließlich zu einer neuen Marktgemeinde Klam (auch Klamm) vereint und aus den ehemaligen Untertanen wurden Marktbürgerinnen und Marktbürger. Diese neue selbstständige Gemeinde bestand aus den Ortsteilen Markt Klam, Achatzberg, Gauning, Linden, Oberhörnbach, Unterhörnbach, und Sperken. Erst 1877 kam auch Niederkalmberg zu Klam. Die Verwaltung von Klam erfolgte nun durch gewählte Vertreter und nicht mehr durch Pfleger und Marktrichter des Burgherren. Die Klamerinnen und Klamer waren von nun an für ihren Heimatort selbst verantwortlich.

Einer der ersten Beschlüsse der Markgemeinde war 1861 der Kauf eines steinernen Bassins von einem Brunnen, der in der k. k. Irrenanstalt in Ybbs an der Donau stand. Der damit errichtete und heute noch bestehende Marktbrunnen kostete laut Marktchronik 1446 Gulden und 19 Kreuzer, was ca. 23410 Euro entspricht (Der Währungsrechner der Österreichischen Nationalbank kann für solche Umrechnungen verwendet werden: https://finanzbildung.oenb.at/docroot/waehrungsrechner/#/).

Eine Zeichnung eines Brunnens vor einem Haus

Zeichnung des Marktbrunnen in der Marktchronik (fol. 50,5v, E. Graner 1896)

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Ein weiteres Infrastrukturprojekt der jungen Marktgemeinde Klam war die Einrichtung eines Postamtes am 19. Juli 1873. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich dieses zu einer mehrgliedrigen Verbindung zur Außenwelt, und zwar durch den Telegrafendienst (1888), den Telefondienst (1909) und schließlich den Rundfunkdienst (1924).

1872 wurde die freiwillige Feuerwehr Klam gegründet. Die Klamer Feuerwehrmänner verfügten anfangs über eine Wasserspritze die 1846 vom Markt gekauft wurde. 1887 konnte eine zweite Spritze, eine Saugspritze, von der freiwilligen Feuerwehr Lasberg gekauft werden und Klam wurde nach den vielen Feuerkatstrophen in seiner Geschichte ein sicherer Ort.

Aber nicht nur die Kommandos der neuen freiwilligen Feuerwehr schallten zu dieser Zeit durch den Markt. In Haus Nr. 1, heute Gasthaus Fraundorfer, und auch damals schon eine Gaststätte, traf sich seit 1881 der Liederkranz (Männerchor). Anlässlich seines zweijährigen Bestandes pflanzten die Sänger eine Linde vor der Pfarrkirche. Diese Sängerlinde stand dort bis zum 11. Jänner 2025. Heute steht eine neue Linde am selben Platz. Diese wurde am 27. März 2025 gepflanzt und am 1. Mai desselben Jahres feierlich eingeweiht.

1883 wurde der Postsparkassendienst an der Poststelle in Klam eingeführt und die 770 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde hatten erstmals Zugang zu Bankdiensten in ihrem Heimatort. Die Marktchronik berichtet, dass sich diese 770 Klamerinnen und Klamer im Jahre 1885 auf 117 Häuser verteilten.

Ein Schwarzweißfoto einer Stadt

Klam um 1900

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Historische Ansichstkarten von Klam wurden von der Österreichische Nationalbibliothek online gestellt: http://data.onb.ac.at/AKON/GN_2774318.

20. Jahrhundert

Doch die Entwicklung der jungen Marktgemeinde musste einen schweren Rückschlag erleiden, als das Familienoberhaupt der Grafenfamilie Clam Martinic, Graf Heinrich Karl 

Eine Straße mit Kirche und Bäumen

Klam im Jahr 1915

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Maria Clam Martinic (k. k. Ackerbauminister 31.10.–13.12.1916, k. k. Ministerpräsident 20.12.16–23.06.17, Militärgoverneur von Montenegro 10.07.1917–16.10.1918), von 1896 bis 1908 insgesamt 36 Liegenschaften in den Gemeinden Klam (Gauning) und Baumgartenberg aufkaufte und schleifen ließ, um einen Tiergarten für die Jagd zu errichten. So sank die Bevölkerungszahl von Klam wieder auf 645 Bewohnerinnen und Bewohner. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs wenige Jahre später ließ Klam kaum Zeit zur Regeneration.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Habsburgermonarchie im Jahr 1918 war Klam erstmals in seiner Geschichte in einer Republik. Im folgenden Jahr, am 10. April 1919, trat das Adelsaufhebungsgesetz in Kraft. Damit wurde der Adel in Österreich abgeschaft und das Führen von Adelstiteln ist bis heute unter Strafe verboten. Für Klam bedeutete dies, dass die Familie Clam Martinic ihre standesrechtlichen Vorrechte verlor und der Titel „Graf von Clam“ verboten wurde. Aus den Herren von Clam wurden die Burgbesitzer in Klam. Wenige Monate später, am 23. November 1919, kamen jene 128 Klamer nachhause, die für das Kaiserreich Österreich in den Schützengräben des Weltkrieges ihr Leben riskiert hatten. Für jene, die nicht mehr von den Schlachtfeldern heimkamen, wurde im Jahr 1930 von der Marktgemeinde Klam ein Kriegerdenkmal an der Pfarrkirche errichtet. Insgesamt sind 27 Männer aus Klam für das Kaiserreich gefallen und 7 wurden als vermisst gemeldet.

In den 1920er Jahren schaffte es die Marktgemeinde Klam trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen große Infrastrukturprojekte umzusetzen. Von 1923 bis 1924 wurde die hölzerne Bachwirtbrücke am Ortseingang durch eine Steinbrücke ersetzt (seit 1979 eine moderne Betonbrücke). Am 23. Oktober 1923 gingen in Klam erstmals elektrische Lampen an, dank des von der Familie Clam Martinic in der Schlucht errichteten E-Werks, welches bis heute Teile der Orte Klam und Saxen mit Strom versorgt. Weiters wurde 1929 die Straße zur Burg neugebaut. Anstatt der steilen direkten Route an der Burgbrauerei vorbei, konnte der Verkehr von nun an über Serpentinen vom Ort hinauf zur Burg geführt werden.

Ein Auto parkte vor einem Gebäude

Klam im Zweiten Weltkrieg

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Über diese Straße schoben sich schon wenige Jahre später die hässlichen Silhouetten von Militärfahrzeugen der deutschen Wehrmacht. Auch im zweiten Weltkrieg (1939–1945) fand man Klamer in den Schützengräben. Von den Feldzügen des menschenverachtenden nationalsozialistischen Dritten Reiches kamen 41 Männer aus Klam nicht wieder. Auch ihnen wird am Kriegerdenkmal gedacht. Während des Krieges verließen zudem die Kreuzschwestern das St. Anna Spital (1941) und auch die Glocken der Pfarrkirche wurden, wie schon im ersten Weltkrieg, als Rohstoff für Waffen eingezogen. In den letzten Kriegswochen 1945 zogen Gefangenenmärsche durch Klam und Anfang Mai erreichten amerikanische Truppen die Region. Diese zogen jedoch bald wieder ab. Kurz darauf übernahmen sowjetische Einheiten die Besatzung. Im Falle von Klam handelte es sich um eine ukrainische Armeeeinheit (nachzulesen im Detail in einem Buchbeitrag von Oberschulrat, Dipl.-Päd., Volksschuldirektor a. D. Johannes Fraundorfer: https://archive.org/details/fraundorfer-buchbeitrag-kriegsende-und-besatzung-in-klam).

Trotz des gerade erst geendeten Weltkrieges und der sowjetischen Besatzung schafften 

Eine Stadtkarte

Befreiung von Klam durch die Alliierten 1945 (Kart von Oberschulrat, Dipl.-Päd., Volksschuldirektor a. D. Johannes Fraundorfer)

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es die Klamerinnen und Klamer im Jahr 1946 51 Pferde, 570 Rinder, 508 Scheine, 24 Schafe und 28 Ziegen zu halten. Die Klamer Landwirtschaft zeigte sich sehr resilient.

In den 1950er Jahren machte sich in Klam wieder Aufbruchsstimmung breit. 1952 wurden die neuen Kirchenglocken feierlich von Bischof DrDr Franz Salesius Zauner geweiht und 1955 erhielt die Pfarrkirche neue Fenster. Ein Jahr später, 1956, erwarb die Marktgemeinde den Rohbau des heutigen Gemeindeamts. Von 1959 bis 1961 wurde eine neue Wasserleitung errichtet, die 158 Häuser versorgt.

Bei all diesen feierlichen Einweihungen sorgte die Musikkapelle Klam (heute Marktmusikkapelle) für die musikalische Umrahmung. Schon 1912 begannen Klamer im Gasthaus der Familie Waldhäusl regelmäßig gemeinsam zu musizieren. Diese Tradition führte man nach den beiden Weltkriegen fort und 1969 hatte Klam bereits 25 Musikanten.

Ein großer Baum auf einem Feld

Anischtskarte der 1000 jährigen Eiche aus dem Jahr 1929

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In den 1970er Jahren veränderte sich das Ortsbild von Klam signifikant. 1972 stürzte eine etwa 1000-jährige Eiche am Fuße der Burg Clam um. Aus dem Stamm des mächtigen Baumes wurde eine Kapelle gefertigt und 1973 wurde die Eichenkapelle geweiht. Diese feierliche Weihe wurde ein Jahr später, 1974, für die britische Rundfunkanstalt Thames Television nachgestellt und kann so auch heute noch angesehen werden: https://archive.org/details/a-place-in-europe-klam

Sowie die Eichenkapelle den Weg von der Burg zum Markt prägt, wurden zur selben Zeit auch neue für das Ortsbild prägnante Brücken errichtet. 1975 wurde der Neumüllersteg gebaut. 1976 kam es zur Fertigstellung der Schöberlbrücke. 1979 wurde die alte Steinbrücke am Ortseingang (Deckerbrücke) abgerissen und durch eine moderne Betonbrücke ersetzt. Das Ortsbild des Marktes wurde zur selben Zeit auch an anderer Stelle verändert, und zwar durch den Bau der Volksschule im Jahr 1973.

Die Musikkapelle spielte auch auf als 1984 die Klamerinnen und Klamer das 600-jährige Bestehen ihres Marktes und den 200. Geburtstag ihrer Pfarre feierten. Im Zuge dieser Feierlichkeiten erarbeitete Dipl.-Ing. Dr Josef Lettner unter tatkräftiger Unterstützung der Klamer Bevölkerung das erste umfassende Klamer Heimatbuch. Die Lektüre dieses Buches sei jedem empfohlen, der sich noch detaillierter in die Geschichte Klams vertiefen will. Das oberösterreichische Landesarchiv bietet “600 Jahre Markt 200 Jahre Pfarre Klam: Kleines Heimatbuch der Marktgemeinde Klam” gratis online zur Lektüre und zum Download an: 

https://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC16933734/.

1998 stellte die Marktgemeinde Klam ihr bisher ambitioniertestes Bauprojekt fertig: die Kanalisation. Die moderne Infrastruktur des Marktes war in den 1990er Jahren auch wichtig für den zarten Beginn der Clam Live Konzerte (https://clamlive.at/). Diese begannen als Aktion Klam Kultur mit kleinen Konzerten im Gelände der Burgbrauerei. Mittlerweile ist das Areal rund um die Burg Clam der Schauplatz für Großkonzerte internationaler Superstars (e.g. David Gilmour, Mark Knopfler, Elton John, ZZ Top). Nach Jahrhunderten der Entwicklung ist die Marktgemeinde Klam weit über die österreichischen Grenzen hinaus bekannt. Somit bestätigt sich der Wahlspruch des Marktes, welcher auf dem ersten Blatt der Marktchronik im Jahr 1636 aufgezeichent wurde: „Algemach khombt man auch weit“.

Eine Nahaufnahme eines Papiers

Wahlspruch von Klam aif der ersten Seite der Marktchronik (OOe Landesarchiv, Kommunalarchiv Klam, Handschrift 1 Marktchronik des Marktes Klamm fol. 1r)

Wahlspruch_von_Klam_aif_der_ersten_Seite_der_Marktchronik_OOe_Landesarchiv_Kommunalarchiv_Klam_Handschrift_1_Marktchronik_des_Marktes_Klamm_fol._1r_.png herunterladen (0.25 MB)


Verfasst von Peter Fraundorfer, MA
https://tcd.academia.edu/PeterFraundorfer

ein Gebäude mit einem Brunnen in der Mitte

Klam 2026 (Foto von Peter Fraundorfer, MA)

Die Bürgermeister der Marktgemeinde Klam

Ignaz Achleitner         (1852–1861)

Michael Eder              (1861–1872)

Franz Achleitner         (1872–1878)

Ignaz Achleitner         (1878–1894)

Friedrich Poppel         (1894–1898)

Ignaz Achleitner         (1898–1902)

Johann Hölzl              (1902–1911)

Carl Weber                 (1911–1914)

Ignaz Brandstetter      (1914–1938)

Franz Grillenberger    (1938)

Ignaz Weber               (1939)

Franz Robl                  (1939–1943)

Josef Aigner               (1944–1945)

Michael Hochgatterer (1945–1961)

Franz Robl                  (1961–1979)

Josef Achleitner         (1979–1990)

Franz Prinz                 (1990–1997)

Josef Fraundorfer       (1997–2013)

Johannes Achleitner   (2013–)


Thames Television Doku über Klam und Burg Clam aus dem Jahre 1974:

Video: https://archive.org/details/a-place-in-europe-klam


Kriegsende und Besatzung 1945 in Klam und Umgebung

Ein Aufsatz von Dir. Johannes Fraundorfer über das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit in Klam
Fraundorfer - Buchbeitrag Kriegsende und Besatzung in Klam.pdf herunterladen (0.6 MB)


Der Handstreich der Bauern auf Schloß Clam - Nach Aufzeichnungen des Freiherrn Hands Gottfried Clam, 1630 von Philipp Blittersdorff

Eine kommentierte Fassung des Berichts über den Bauernsturm auf die Burg Clam im Jahr 1626. Dieser ist auch in dem Band "600 Jahre Markt Klam" abgedruckt und ursprünglich erschien der Beitrag von Philipp Blittersdorf in der Linzer Tagespost ( Mittagsblatt Nr. 210, 12. September 1933).
Blittersdorf - Der Handstreich der Bauern auf Schloß Clam - Kommentar.pdf herunterladen (0.25 MB)


Oö Landesbibliothek: https://digi.landesbibliothek.at/viewer/image/AC16933734/1/#topDocAnchor